Am Sonntag wurde mein guter Glaube an die Menschheit gleich mehrfach auf die Probe gestellt. So glaubte ich, die zukünftige Mutter meiner Zwillinge schrieb in ihren Anmerkungen zur Beschenkung meiner Verlobten mit einem Gobelin zwischen die Zeilen, dass sie im Grunde ihres Herzens traurig ist, dass a) die Verlobte das Geschenk nicht würdigt und b) sie selbst nicht bedacht wurde. Nun, diesem Umstand habe ich Abhilfe geschaffen, mit nicht ganz eindeutigem Erfolg. Aber sie freut sich:
Insbesondere Frau creezy freute sich insbesondere sehr und im besonderen, ungemein und ganz außerordentlich und immer noch und wird sie auch noch sehr lange, so lange bis wenn sie nicht gestorben ist, dann freut sie sich noch heute über einen noch selbständig zu bestickenden Wandgobelin mit Alpenpanormamotiv im sicherlich sehr schwer zu rahmenden achteckigen Rahmen (für Fortgeschrittene).
Dass hingegen gegen später am Abend, als ich eine nicht unerhebliche Menge Prosecco zu mir genommen habe und die Verlobte mit dem Hinweis auf ihre noch zu erfüllende umweltzerstörende Tätigkeit auf der Bundesautobahn nicht anstoßen wollte, selbige den offenen Konflikt nicht scheute, erschütterte erneut meinen guten Glauben an die Menschheit. Wie kann eine wortgewandte, ja wortverliebte und Neologismusschätzende Frau, die einst an der Entdeckung von Worten wie dem Funkfernsprecher oder dem Sozialpalast beteiligt war, ernsthaft bestreiten, dass jemand der eine fremde bewegliche Sache (zum Beispiel eine Tür) einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, nicht nur des Diebstahls bezichtigt wird, sondern auch als Türdieb zu bezeichnen ist? Neologismus hin oder her, aber die Kombination von Tür und Dieb ist nicht so abwegig.
Nachtrag: Eine aufmerksame Leserin teilte per Mail mit, der Türdieb gehöre “zu den bestgeformtesten komposita, ever” und verweist auf dessen korrekte Bildung.