Mit unserer schönen neuen Medienwelt, digital und voll syndizierbar haben wir den Stempel an den Rand seiner Existenzberechtigung gebracht. Wer stempelt noch, wenn er digital unterzeichnen kann? In Amtsstuben sollen schon Stempelgedenktage eingerichtet worden sein um die vor sich hintrocknenden Bestätigungswerkzeuge in einem musealen (von Museum) Akt auf ihre Funktionsfähigkeit hin zu überprüfen.
Aber wo begegnet man als Normalsterblicher noch dem Stempel?
Zum Beispiel bei der Bahn, wenn man mal auf Dienstreise ist. Ein kollabierender Fahrgast machte einen 20-minütigen Notarztstopp in Spandau nötig. Der Anschlusszug in Hannover war längst in den Bergen, wir blieben in Hannover. Aber dank einer amtlich ausgestellten und abgestempelten Verspätungsbestätigung (Service-Point) bekamen wir einem Umbuchungsstempel (Reisezentrum) mit Upgrade in die 1. Klasse für den 2 Stunden später abfahrenden Zug. Immerhin konnten wir ausgiebig den neuen englischen Ansagen lauschen. Wollte schon immer mit dem Metronom auf Englisch nach Northeim fahren.
Am Zielbahnhof Karlsruhe stempelte der Service-Point die Korrektheit der Verspätung (hätte ja sein können, dass wir durch eine unglückliche Fügung doch noch pünktlich gekommen wären), die nun 2 Stunden betrug und mit allen Stempeln zusammen bekamen wir im Reisezentrum einen Gutschein, dessen Ausstellung ebenfalls – genau – gestempelt wurde.
Wir hatten schon überlegt, weil die Fahrkarte nun vollgestempelt war, ob die Bahn auch Fahrkartenanlagen ausgibt, wo man weitere Stempel sammeln könnte. Oder ein ganzes Stempelheft? Man stelle sich nur vor, auf der Rückreise wären weitere Stempel nötig gewesen!
Eine Erkenntnis bleibt uns. Weder Reisezentren noch Service-Points der Bahn verwenden einheitliche Stempel und sie gehören allesamt unterschiedlichen Tochterfirmen der Bahn.
Es lebe der Stempel!