Manche Gegenstände treten eine lange Reise auf ihrem Weg von Mensch zu Mensch an. Zuweilen um die Welt. So wie der Gartenzwerg in der „Zauberhaften Welt der Amélie“. Koffer und Taschen könnten hier auch manche Geschichte beisteuern. Und jetzt auch eine Botschafterin aus Zürich.
Die Botschafterin ist, im Gegensatz zu den Nationalfarben der Eidgenossen, nicht rot-weiß, sondern schwarz-weiß und aus fester Plane. Sie nimmt allerlei auf und verträgt so manchen Knuff. Der Clou sind aber ihre Motive, welche gleichzeitig ihre Herkunft verraten: Piktogramme helfen auf Flughäfen und anderen öffentlichen Orten nicht-sprachkundigen Passagieren durch einprägsame Zeichen ihren Weg vom Flugzeug in die Fremde zu finden. Und natürlich umgekehrt. Dachten sich auch die Marketing-Fachleute der Unique, Betreibergesellschaft des Flughafens Zürich-Kloten. Und schufen einen passenden Merchandising-Artikel, die Flughafentasche.
Die paßt gut zu mir. Denn außer meiner Leidenschaft für die Fliegerei beschließe ich, bestärkt durch die wohlmeinenden Ratschläge der Frau Indica und Freundin G. umgekehrt zu meinem steigenden Lebensalter, mich ein wenig trendiger im Outfit zu zeigen. Unter anderem auch durch den Erwerb einer Planentasche, wie sie bei den schon in anderen Zusammenhängen erwähnten Prenzlwichsern ein Muß ist. Sehe dann die Tasche im Internet und will sie unbedingt haben. Der Haken dabei: Sie ist normalerweise nur direkt am Flughafen in Shop erhältlich. Da meine Wege mich zur Zeit jedoch nicht nach Zürich führen, trete ich an meine ehemalige Lebensabschnittsbegleiterin mit der Bitte heran, diese doch bei einem ihrer nächsten Besuche bei der Freundin im idyllischen Eglisau nahe Zürich mitzubringen.
Der Plan scheitert jedoch an organisatorischen Hindernissen vor Ort. Zweite Möglichkeit: einen möglichst günstigen Flug nach Zürich buchen, am Flughafen die Tasche erwerben und dort eventuell ein Wochenende verbringen. Oder, wie die wilden Luftfahrt-Freaks, morgens hin, abends zurück. Das kann aufgrund der Billigflieger-Einzelbuchungsmöglichkeit ja bei Wahl des richtigen Termins (ca. drei Monate im voraus, außer bei Sonder-Kurzfrist -Billig-Ticket-Rausschmeiß-Aktionen) auch zu einem günstigen Vergnügen werden.
Paßt nun aber zeitlich nicht. So ziehe ich Möglichkeit drei in Betracht: Direkt-Kommunikation mit dem Flughafen nach alter Journalisten-Manier. Genauer mit Frau W. von Corperate Communications. Ihr bringe ich meinen sehnlichen Wunsch zum Ausdruck, die Tasche auf eine einfachere Weise zu bekommen. Ob diese vielleicht nach zwei vergeblichen Anläufen über den Freundeskreis…den Weg per Post antreten könne. „Nun, das machen wir eigentlich nicht. Aber unser Chef ist ein großer Freund von Berlin. Sie kriegen die Tasche. Und machen Werbung für uns in der Hauptstadt.“
Unerwartete Wendung – unerwartete Freude auf ein zusätzliches mir selbst gemachtes Weihnachts-Präsent. Vielleicht erst kurz vor dem Fest? Oder doch schon früher? Doch nichts kommt – zunächst. Bis ich eines Tages entdecke, daß mein provisorisches Untermieter-Türschild inzwischen namenlos ist. Das Papp-Stückchen ist schlicht verschwunden. Und schon schwant mir Übles. Denn die blau-gelben Götterboten der Firma mit dem Posthorn-Logo pflegt als Paket-Abteilung die durch Umzug wechselnden Menschen hinter den Briefkästen nicht so gut zu kennen wie die Kleinpost-Kollegen. Fazit: Die Tasche geht als unzustellbar in die Schweiz zurück, wie ich einige Tage darauf telefonisch von Frau W. erfahre.
Neuer Versuch mit neuem Papp-Schild. Diesmal klappt’s. Selbstbewußt spaziere ich nun inmitten der Prenzlwichser. Und natürlich, Frau W., Versprechen bleibt Versprechen. Dank an sie für die postalische Doppel-Schleife. Möge die Tasche als Botschafterin ihre Fangemeinde in Berlin finden, besonders unter den Flieger-Begeisterten. Denn selbst im Taschenladen am Helmholtzplatz, der ansonten vom Motiv her wohl sortiert ist, habe ich bei meinem letzten Besuch mit Frau Indica noch keine Flugzeuge erspäht.