Am Plaza Nueva gibt es ein Café. (Anmerkung: An dieser Stelle könnte man sich darüber streiten, ob ich „an der Plaza Nueva“ schreiben müsste, da Plätze im Spanischen und auch im Französischen weiblichen Geschlechtes sind.) Das Café am Platze ist mit dem Schriftzug Lisboa übertitelt und ist so was wie das Café Berio von Granada.
Ich komme gerne nach meinen Nachmittagsaktivitäten auf eine Lückentassee Café con Leche vorbei. Direkt an der Calle Reyes Catholicos, der Straße der katholischen Könige, kann man bequem flanierende Menschinnen und Menschen beobachten, wenn ich den Blick aus Max Goldts Kolumnen erhebe.
Es macht durchaus Sinn, sich mit den Flaneuren zu beschäftigen. Oftmals sind sie auf dem Weg zur oder kehren gerade von der Alhambra zurück. Dazwischen mischen natürlich auch ein paar Einheimische. Die Wahrscheinlichkeit, dass man den Vorbeiströmenden etwa 20 Minuten oder 2 Tage später an einem andern Platze wieder sieht, konvergiert gegen 1. Man hat sowieso das Gefühl, in Granada ständig auf bekannte Gesichter zu treffen.
Neben dem Blick auf Touristenandenkenhändler kann man auf eine Telefonzelle blicken. Für die jüngeren Leserinnen und Leser dieses Blogs: Telefonzellen sind duschkabinenartige Einrichtungen, in denen ein Telefon hängt und die es früher auch häufig in Deutschland gab. Gegen große Mengen Kleingeld konnte man damit früher, als es noch keine Funkfernsprecher gab, Mutti anrufen. Bombenlegeragenturen im Wedding verwendeten Telefonzellen zum Tätigen der androgynen Anrufe. Die Erfindung des Funkfernsprechers machte die Telefonzelle zu weiten Teilen obsolet. In Granada findet sich jedoch eine sinnvolle Nachnutzung für die Telefonzelle. Sie fungiert als Anschlagsbrett für Gesuche und Angebote aller Art. Derzeit boomen Aushilfsjobs und der Wohnungsmarkt, es ist bald Semesteranfang. Und so werden fleißig Zettelchen geklebt und Nümmerchen abgerissen.
Leider ist es etwas eng im Café Lisboa. Neben Herrn Goldt führe ein einen typisch deutschen Expeditionsrucksack der Marke Tatonka mit mir. Man weiß ja nie, was einem im Laufe des Tages passiert. Ein deutscher Tourist verlässt niemals ohne Tropenausrüstung sein Zimmer. In meinem Fall befanden sich jedoch 1 Wasserflasche, 1 Fotoapparat und 1 Tüte erlegter Wintermode im Rucksack. Das Ergebnis meines Museumsbesuches trug ich in der Hand. Ein Poster von José Guerrero, einem bekannten Künstler Granadas. Das tiefe Rot harmoniert sicher wunderbar mit meinem zukünftigen blauen Boden.
Dummerweise sollte ich besagte Plakatrolle am nächsten Tag in Malaga an der Kasse des Duty Free Shops des völlig überfüllten Flughafens vergessen. Dabei wollte ich doch nur Käse kaufen, weil mein zu schwerer Koffer nebst überladenem Handgepäck zu heftigsten Diskussionen mit der Check-In-Mitarbeiterin führte. Meine Hartnäckigkeit siegte, aber als ich den Verlust meiner Plakatrolle bemerkte, war bereits das Sicherheitskommando im Supermarkt zugange. Mit großer Überredungskunst parlierend konnte ich die Kunst vor der Zerstörung bewahren.


