Private Gegebenheiten fordern zurzeit ihren Tribut – und mahnen mich heute zur Kürze. Dennoch: ein Tipp für Alt- und Neu-Berliner, die ihre Metropole mal virtuell kennenlernen wollen. Die “große gelbe” BVG macht jeden zweiten und vierten Donnerstag im Monat den Sitz ihres Straßenbahn-Fahrsimulators für Tram-Fans frei. Jeweils eine halbe Stunde lang können sich bis zu zwei Fahrer die Fahrerkabine teilen und unter Aufsicht eines Ausbilders sich auf 54 km originalgetreuer Berliner Straßen-Szenerie durch die Tücken des Verkehrs kämpfen. Weitere Infos gibt’s hier
Ich machte heute mal die Probe aufs Exempel: mit einer Fahrt in der Tatra-Kabine von der U-Bahn-Station Vinetastraße bis zum Altenheim an der Kastanienallee. Inklusive querender Autos, sich schnell vor die Tram drängelnde LKW und offensichtlich autistische Kinder, die mit Tunnelblick die Schönhauser Allee überqueren. Für die Vollbremsung ein energischer Zug am Fahrhebel statt brachialer Tritt aufs Pedal. Der Fahrmotor heult auf, die Warnklingel schrillt unbarmherzig. Alles erstaunlich real.
Aber eben nicht hundertprozentig. “Wir aktualisieren die Szenerien nur, wenn sie für die Schulung der angehenden Tram-Fahrer verkehrsrelevant sind”, so der Simulator-Papst der BVG. Oder Leiter Ausbildung Straßenbahn, wie er sich offiziell nennt. Wenn der Drogerie-Markt also einer Bank-Filiale weicht, so wahrt er zumindest im Simulator auch weiterhin seine Existenz. Bei Gebäuden gilt: Platte bleibt Platte und Altbau bleibt Altbau. Für die Erstellung der Software wurde übrigens fleißig fotografiert, Video gedreht und gefilmt. Aus dem Material dann die Computer-Animation erstellt.
Übrigens, Straßenbahnfahren geht ganz einfach. Kinder ab 8 Jahren können selbst nach Einweisung den Fahrhebel in die Hand nehmen. Schwierigkeiten macht eher das “passende” Anhalten am Bahnsteig, ohne daß der hintere Zugteil noch auf der Kreuzung oder auf dem Grünstreifen steht.


