Wenn der Stadtmensch im Mai nach Dresden reist, dann stellt er neben einem hohen Silberlockenfaktor fest, dass es um ihn herum grünt wie wild und verrückt. Um epilleptische Anfälle und Grün-Schocks zu verhindern hält die Bahn auf dem Weg nach Dresden extra lange auf der grünen Wiese in Brandenburg, damit sich das Großstadtauge an das Chlorophyll gewöhnen kann. Die etwas leidenden Rununkeln können vor dem Zugfenster mit dem Löwenzahn hinter dem Zugfenster (hier nicht dargestellt) im Gelb um die Wette leuchten. Ein Farbtupfer im Grün.
Dem Grünspektakel auf der Anreise entgeht der Reisegast, der den Lokrufen des tschechischen Zugkochs nicht widerstehen konnte und um 9 Uhr den Tag mit einer Kartoffelsuppe, Saftgulasch mit Bemische Kleße, Palatschinken mit Schokolade und frisch gezapftem Pilsner Urquell beginnt. Von Käseklappstulle jedenfalls war in der Ansage keine Rede.

In Dresden darf man sich ruhig von einheimischen Gastgebern durch die Stadt führen lassen, vor allem wenn deren Anekdotenschatz über das Reiseführerwissen hinausgeht. An dieser Stelle ist die Bereitschaft des Fremdenführers zu loben, mit dem Berliner Besuch eine Straßenbahn zu besteigen. Zum Beispiel nach Kleinzschachwitz fahren um bei der Überfahrt mit der Fähre eine Stelle zu passieren, wo bereits Autos in der Elbe den Tod gefunden haben.

Während der Hausmeister telefonisch einen Termin für die Installation einer Einarmmischbatterie vereinbaren möchte, betritt die Reisegruppe den Schlosspark Pillnitz um sich an Blumenpracht und Chinoiserien von Wasser- und Bergpalais zu erfreuen.

Die geplante Rückreise der Reisegruppe in die Innenstadt fiel der Überbuchung des Fahrgastschiffes und der Renitenz der Silbergelockten Best Ager zum Opfer, so dass auf dem Weg zur Bushaltestelle noch eine eingehauste Kamelie bewundert werden konnte.

So konnte auch Herr Exit vom Blauen Wunder ausgiebig den vorbeifahrenden Fahrgastschiffen zuwinken und sich zuwinken lassen.

Vom Schillerplatz, wo dieses Mal keine Torten verspeist wurden, fuhr zufällig eine Straßenbahn nach Neustadt, denn auf der anderen Elbeseite sieht man nicht nur einen güldenen Reiter, sondern auch das Altstadtpanorama, vor dem ausführlich posiert wurde, bevor ein Sturm mit Gewitter und Regen die Nochweltkulturerbestadt heimsuchte und die Reisegruppe nebst Gastgeber in ein Tortencafé trieb. Um ganz präzise zu sein: unter die Sonnenschirme des Coselpalais. Denn drinnen in der Herberge war kein Platz. Aber Torte wurde auch bei Sturm nach Draußen geliefert.


Da man nun eh schon gemütlich beisammen saß, gingen die Reisenden zum gemütlichen Teil über, grillten in der Buhnenstraße und ließen es sich gut gehen. Und wenn sie nicht irgendwann müde geworden wären, quasselten Sie noch heute in der Küche, welche am Samstag in der Früh ein reizendes Frühstück hervorzauberte, bevor die Reisegruppe ihrem grünen Höhepunkt entgegenbummelte, in den Elbauen hinter dem Deich.

Aber um es mal kurz zusammen zu fassen: Es war einfach schön! Danke. Wir kommen gerne wieder.

PS: Und in Dresden gibt es auch schöne Tulpen. Zum Beispiel in der Buhnenstraße.

Und im Schloss Pillnitz.


