Am Wochenende hat ein sehr guter Studienfreund, das Ehesakrament empfangen. Ein freudiges Ereignis im Leben eines Christen, wo es doch nur sieben Sakramente zu empfangen gibt. Das Sterbesakrament schiebt man ja gerne noch etwas auf.
Die Spendung des Sakramentes will natürlich angemessen zelebriert und auch beschenkt werden.
Davon handelt dieser Artikel.
Da sich die beiden Eheleute auf dem Forum Altötting kennen- und liebengelernt hatten, erwartete ich ein katholisches Hochamt, das seines gleichen suchen sollte. Dabei hatte ich nicht berücksichtigt, dass das Brautpaar der Katholischen Glaubensgemeinschaft Emmanuel angehört. Obwohl der Gottesdienst zwei Stunden dauerte, wurden keine Evergreens der katholischen Gottesdienstgesänge angestimmt. Nicht mal ein “Großer Gott wir loben dich”.
Stattdessen wurde viel und ausgiebig aus der zeitgenössischen Liedersammlung gesungen. Die Mitglieder der Gemeinschaft feierten Gott, da wurde geklatscht und sich umarmt. So sieht also eine aktualisierte Form der Liturgie aus.
Ziel der Gemeinschaft Emmanuel ist es, den von Gott an alle gerichteten Ruf zur Heiligkeit zu beantworten. Dies geschieht besonders durch eine Haltung der Anbetung, des Mitleidens und der Evangelisierung, wodurch die Mitglieder verwirklichen wollen, was der Name „Emmanuel“ bedeutet: „Gott mit uns“ im täglichen Leben. (Wikipedia)
Es handelt sich also um eine besonders intensive Form des Glaubens. Auf den Seiten des Erzbistums Köln ist zu lesen:
Um in der Gegenwart Gottes bewusster zu leben, beginnen sie den Tag mit einem gesungenen Lobpreis, verbringen täglich eine stille Zeit des Gebets (wenn möglich vor dem Allerheiligsten), feiern so oft wie möglich die Heilige Messe mit und gehen regelmäßig zur Beichte. Aus der so entstandenen Liebesbeziehung zu Jesus Christus erwächst die Fähigkeit zum Mitleiden und der Wunsch, die frohe Botschaft der Liebe Gottes den Menschen mitzuteilen, die ihn nicht kennen.
Es sei dennoch auf kritische Stimmen hingewiesen.
Nun, nach zwei Stunden war also das Sakrament der Ehe gespendet. Daran, dass die Kinder, die Gott den Eheleuten schenken möge, christlich erzogen werden, besteht wohl kein Zweifel. Bis wir unsere Gratulationen und Glückwünsche zum Empfang des Sakramentes überbringen durften, dauerte es noch einmal zwei Stunden. Die Schlange der Gratulanten war lange, allerdings konnten wir die Zeit mit Prosecco und Schnittchen gut verbringen und unsere Geschenke auf dem Geschenketisch drappieren.
Womit wir beim Thema wären. Was schenkt man einem Hochzeitspaar zur Hochzeit? Wir kann man das junge Glück erfreuen? Herr Bellerophon und ich, wir taten uns mit dem Skylineblick-besitzenden Pärchen zusammen und nach Studium der Hochzeitswunschliste waren wir uns einig, dass wir kein Geschirr aus der Villeroy & Boch-Reihe Alt Luxemburg schenken möchten.
Mir schwebte da eher ein zum Geschirr passender Wandbehang vor. Zum Beispiel das Hochzeitsfoto als Gobelin zum Selbersticken (wurde abgelehnt) oder ein Ölgemälde in Prunk- bzw. Zierrahmen. Die Gemälde aus Familienbesitz, allesamt Kostbarkeiten der Bergpanoramamalerei, siehe Abbildungen, konnten sich auch nicht durchsetzen, obwohl die emotionale Komponente bei diesem Geschenk besonders hoch gewesen wäre.

Letztendlich entschieden wir uns für einen elektrischen Tischgrill, mit Edelstahlspießen, Grillbesteck und einem Broiler-Bräter. Damit sich die Eheleute ihre Liebe mitteilen können (vor allem wichtig, wenn man das Frühstück gemacht hat und aus dem Haus muss, während der andere noch schläft), haben wir noch eine Kreidetafel in Schafform dazugepackt und darauf verwendet, einen Disclaimer zu verfassen. Wir wollen ja nicht daran Schuld sein, wenn der Bräutigam wegen exzessiven Grillens frühzeitig einen Herzinfarkt erleidet.


