Gerade haben wir Ostern gefeiert. Meist waren wir mit Ostereiern und -hasen beschäftigt und haben uns über die freien Tage gefreut. Rein liturgisch betrachtet, standen am Ostersonntag die Frauen vor dem leeren Grab. Pontius Pilatus, der römische Statthalter in Jerusalem hatte damals am Ostermontag bereits über 24 Stunden das Problem, dass er nicht nur diesen Jesus etwas überhastet kreuzigen ließ, sondern dass jetzt auch noch die Leiche verschwunden war. Er wusste damals ja noch nicht, dass er den ersten aktenkundigen Fall von Auferstehung erleben durfte. Wir wissen zwar heute, dass es Ostern wegen der Auferstehung gibt, aber die Sache mit dem daran glauben ist ziemlich schwierig. Man kann sich dann in theologische Floskeln stürzen, oder es eben gleich lassen.
Die österlichen Ereignisse — das zentrale Element des Christentums — sind schwierig zu begreifen und zu verstehen. Ich wollte allerdings, um die Botschaft zu begreifen, auch nicht gleich ein Theologiestudium einschieben und bin froh, dass mir meine Mutter an Weihnachten ein Buch in die Hand drückte: Das Evangelium nach Pilatus von Eric-Emmanuel Schmitt. Nachdem ich das Buch gelesen hatte, wurde mir sehr viel klarer, worum es eigentlich im Christentum geht und warum die dramatischen Ereignisse der Passionsgeschichte so erfolgt sind und warum es gut ist, dass diese so stattgefunden haben. Man versteht die simple, aber unglaublich befreiende Botschaft von der unbedingten Liebe Gottes zu den Menschen, durch die Augen des Pilatus, der die Leiche von Jesus sucht und rationale Erklärungen für das Verschwinden überprüft und verwirft. Am Ende erkennt er die Tragweite der Ereignisse und begreift die Auferstehung.
Ein packendes Buch, das ich jedem nur empfehlen kann, der seinen Glauben etwas entstauben möchte oder der die Grundidee des Christentums anschaulich, von theologischen Phrasen befreit, erkennen möchte. Und ich glaube, das Buch könnte auch für einen Leser interessant sein, der sich einfach mal mit dem Christentum auseinander setzen möchte.

