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Authentizität mit Barockinstrumenten

Von Exit in - 17. März 2008, 10:46 8 Kommentare

Eine Reihe von Musikensembles widmet sich voll und ganz der Aufführung von Alter Musik. Die Verwendung von damals zeitgenössischen Musikinstrumenten, die auch heute noch schlecht stimmbar sind, soll dem Konzertbesucher ein möglichst authentisches und originalgetreues Erleben der Komposition ermöglichen.

Man kann auch sagen, dass gerade diese Aufführungspraxis der eigentlichen Intention der damaligen Komponisten zuwider läuft und dem Zuhöhrer eher ein Erleiden der Komposition gestattet (Man hatte im Barock zwar das Problem des allgegenwärtigen Todes. Man sollte die Zeit nutzen. Entsprechend fassen sich barocke Musikwerke selten kurz). Ich wage sogar die These aufzustellen, dass ein Bach äußerst unglücklich über die unpräzise Intonation der Instrumente zu seiner Zeit gewesen sein muss. Bach hat Musik geschrieben, für die es damals noch keine adäquaten Instrumente gab. So grandiose Musik, wie die von Bach, lebt wahrlich von gestimmten, rund klingenden und vor allem harmonischen Akorden, wie sie damals sehr wohl von der menschlichen Stimme (die seit dem Mittelalter keine nennenswerten technischen Weiterentwicklungen erfahren hat) gesungen werden konnten. Man denke nur an die Barockopern, wo es letztendlich auch darum ging, die Schönheit der menschlichen Stimme darzustellen. Noch dazu, wo virtuose Sängerinnen und Sänger keine Intonationsprobleme hatten.

Bach mit historischen Instrumenten zeigt uns, wie sehr der Komponist gelitten hat. Bach mit aktuellen Instrumenten lässt uns erst erleben, welche grandiose Musik der Komponist für uns geschrieben hat.

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8 Kommentare

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bosch
17. März 2008, 12:06 #

Hier kann man unterschiedlicher Auffassung sein. Ich muss sagen, dass ich bei Trevor Pinnock und The English Concert, John Elliot Gardiner und den English Baroque Solists und manchmal auch bei Reinhard Goebel und Musiqua Antiqua Köln meist weniger leide als bei einer Bach-Aufnahme von Karajan, der diese Musik mit den Berliner Philharmonikern fast vergewaltigt hat. Nicht nur, was die Instrumente angeht, sondern auch hinsichtlich der Besetzungen entspricht die entschlackte Wiedergabe eher meinem Geschmack als eine Doppelt- und Dreifachbesetzung mit einem modernen (vollbesetzem) Orchester.

Ob man nun Bachs Klavierwerk auf einem Cembalo (Pinnock, Koopman) spielen muss oder vielleicht auch auf einem modernen Konzertflügel, dürfte wohl ebenfalls Geschmackssache sein. Was Bach dazu sagen würde wissen wir nicht, da er nicht die Wahl zwischen Cembalo und Konzertflügel hatte (selbst zu Mozarts Zeiten war erst das Hammerklavier erfunden).

2

The Exit
17. März 2008, 12:11 #

Stimmt. Man sollte einen Bach nicht in Riesenbesetzung spielen. Da kann man aber auch moderne Klangkörper problemlos verkleinern.

Aber bevor es krumme Töne hagelt, ist mir ein ordentliches Orchester mit modernen Instrumenten lieber. Davon ausgenommen seien die Spitzenensembles, die selbst auf Barockinstrumenten die Intonation halten. Aber das erlebte ich bislang zu selten.

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bosch
17. März 2008, 12:54 #

Außer für die von mir genannten Dirigenten-Orchester-Kombinationen vermag ich allerdings auch für kaum ein Ensemble die Hand ins Feuer legen. Zum Glück haben diese einen großen Teil des Repertoires eingespielt.

Selbst bei anderen großen Namen wie Herreweghe oder auch Produktionen von DG Archiv wie McCreesh oder Minkowski hört man hin und wieder den einen oder anderen schiefen Ton. Dennoch bin ich froh über die Errungenschaften der historischen Aufführungspraxis. Ist sie doch nur eine relativ überschaubare Nische.

4

generator
17. März 2008, 12:56 #

War das gestern deine Passion?!
Ich vermurkse Bach seit meiner Kindheit (im 20. Jahrhundert :-), auf Klavier, Orgel und zeitweise auch Cembalo. Kann mir selbst aber Cembalo-Aufnahmen meist nicht anhören. Spielen macht Spaß, Anhören nervt ein bisschen. Auch im Trio. Von wegen “basso continuo”, historische Tasteninstrumente sind was für Hochtonfetischisten.

5

The Exit
17. März 2008, 13:25 #

Herr Bosch, mal ein krummer Ton ist nicht schlimm. Die Häufung in exponierten Passagen hingegen schon.

Frau Generator! Warum schreiben Sie gleich vom “vermurksen”? Sie haben ja auch nicht den Anspruch eines Profimusikers!

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bosch
17. März 2008, 16:02 #

Müssen schon ziemlich viele krumme Töne sein, sonst fiele mir das sicher gar nicht auf.

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creezy
17. März 2008, 16:33 #

Frau Generator könnte ja am 6. auf der Hammond Orgel ein Bach-Geburtstagsständchen bringen!

8

generator
18. März 2008, 11:16 #

Bei der harten Kritiker-Riege hier? Nur wenn Sie die Orgel aufs Farrat packen.

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