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Zuckerbäckerstil gestern und heute

Von Matthias in - 24. März 2008, 12:45 7 Kommentare

Zur Zeit Stalins sind in Moskau eine Reihe von Repräsentativbauten entstanden, deren Baustil als (stalinistischer) Zuckerbäckerstil oder Stalingotik bezeichnet wird. In der Fachsprache spricht man wohl vom sozialistischen Klassizismus. Stilbildend für die palastartigen Gebäude sind zahlreiche Verzierungen an den Fassaden mit Säulen und Turmaufbauten.

Der berlinkundige Leser mag nun einwerfen, dass man Dank der Karl-Marx-Allee in Berlin einen Eindruck davon habe, was unter dem Zuckerbäckerstil zu verstehen sei. Allerdings muss ich sagen: Berlin ist von Moskau her betrachtet, weit weg und so wirkt der ab 1951 geplante Straßenzug im Vergleich mit den russischen Originalen doch recht beschaulich.

Dabei wurde in Moskau selbst der von Stalin geplante Stadtumbau wegen des Krieges verschoben und dann abgesagt. Deshalb gibt es heute auch keinen Palast der Sowjets (man betrachte dieses eindrucksvolle Bild) sondern nur sieben repräsentative Zuckerbäckerbauten, die unter dem Namen Die sieben Schwestern geführt werden.

Das obige Bild zeigt das Wohngebäude an der Kotelnitscheskaja-Uferstraße in der Nähe des Kremels.

Das Außenministerium liegt am Gartenring, eine Ringstraße um das Moskauer Stadtzentrum, die stellenweise bis zu 14 Spuren je Richtung aufweisen soll.

Nach dem Tode Stalins und der einsetzenden Entstalinisierung suchte man eine neue Formensprache und baute Großwohnsiedlungen in Plattenbauweise.

Diese monumentalen Bauwerke, die die Neubausiedlungen in Marzahn und Hohenschönhausen eher bescheiden wirken lassen, sind von der 108 km langen Moskauer Ringautobahn aus bei Schneefall fotografiert. Auf Lärmschutzmaßnahmen wurde verzichtet.

Die Zuckerbäcker des heutigen Russland konzentrieren sich auf ganz exquisite und reizende Zuckerbäckerkompositionen, die das Auge nicht nur optisch erfreuen, sondern auch geschmacklich sehr hohe Standards setzen.

Zum Beispiel im Café Bosco, das sich an der Mittelpassage des Kaufhaus GUM befindet.

War das Tagesprogramm zu ausgefüllt, muss der Tortengenießer sich mit einem Stück aus dem Supermarkt (neben dem Außenministerium) zufrieden geben, das dann genüsslich im Nachtzug nach St. Petersburg genossen wurde.

Beim Verfassen der Postkarten sorgte eine äußerst leckere Zuckerbäckertorte für die Energiezufuhr in St. Petersburgs schönstem Kaufhaus, dem Passasch. Sollte ich erwähnen, dass das Angebot von Kitsch, Extra-Kitsch und besonderem Kitsch in diesem Etablissements so groß war, dass ich es vorzog, Postkarten zu schreiben, statt meine Freunde mit entsprechenden Mitbringseln zu beglücken? Die Gobelins war zum Beispiel äußerst preiswert!

Nach Besichtigung der Auferstehungskirche mit ihrem 7.000 qm großen Wandmosaik, musste sich der Autor ein klein wenig stärken.

Es sollte auch das letzte Tortenstück in Russland werden.

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7 Kommentare

1

Bellerophon
24. März 2008, 12:59 #

Und wo sind die Bilder der Torten, die Sie zum Frühstück und zum Abendessen gegessen haben?

2

rene
24. März 2008, 15:42 #

Wirklich aufopferungsvoll, mit dem Verspeisen noch solange zu warten, bis die Fotos fertig waren…

3

der toby
24. März 2008, 18:09 #

Allein vom Anblick fühle ich mich um einige Kilo schwerer. ;-) Ist da Zufall, dass “Die Sieben Schwerter” wie eine Tarotkarte klingt?

4

Bhuti
24. März 2008, 18:52 #

Ich bin zutiefst beeindruckt, dass Sie es geschafft haben, die Tortenkunstwerke vorm Verzehr erst noch fotografisch zu dokumentieren.

5

The Exit
24. März 2008, 19:17 #

Meine sehr geehrten Leser, werte Frau Bhuti! Wie könnte ich die Torte erst essen und für Euch nur noch Fotos von den Krümeln machen! Nein, das wird natürlich immer erst fotodokumentiert und dann wird genossen!

Mit Kartenspielen kenne ich mich leider nicth aus und es gab auch nur eine Torte am Tag!

6

Liisa
24. März 2008, 23:52 #

Da ist aber eine Menge Training nötig, um die angefutterten Torten-Pfunde wieder abzutrainieren, Herr Exit! ;o)

7

Indica
25. März 2008, 11:13 #

Interessante soziokulturelle Studie, liebe Mitleserinnen und -leser – ist Ihnen aufgefallen, dass die Torten-Löffel (!) in eigens in die Torte geschnittene Schlitze gesteckt wurden?

Sonst kennt man das in der deutschen Ausprägung doch nur, dass die Tortengabeln sich seitlich in die Stücke hineinbeißen. Interessant, interessant. Ob dem Herrn Exit bei seinem regen Tortenkonsum solche Feinheiten überhaupt aufgefallen sind?

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