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Verbrannt

Von Exit in - 12. Februar 2008, 19:49 8 Kommentare

Bisher war im Sozialpalast der Unterschied zwischen Kaltwasser und Warmwasser vor allem dadurch gekennzeichnet, dass das Kaltwasser sortenrein aus der Leitung floss, wenn man den Hahn mit dem blauen Punkt aufdrehte und bei Betätigung des rotgepunkteten Drehknopfes ergoss sich Warmwasser aus dem Rohr. Damit erübrigten sich im Hausgebrauch die Unterschiede, wenn man davon absieht, dass Warmwasser mit einem x-fachen des Kaltwasserpreises zu Buche schlägt, aber meist mit nicht messbarer Temperaturdifferenz zum Kaltwasser geliefert wurde, was vor allem im Winter ziemlich kalt war.

Gewisse Vorgänge der menschlichen Hygiene, wie beispielsweise eine morgendliche Dusche, erforderten entweder viel Entschlossenheit oder längeres Wartevermögen, bis viel teures, aber kaltes Nass, aus der Leitung entwichen ist und lauwarmes Nass (zum Heißwasserpreis) nachfloss. Nachbarn, die früher aufstehen und somit zur Erwärmung des Rohrleitungsnetzes beitragen könnten, haben wir nicht, sodass vor allem bei einem frühen Start in den Tag die Trade-Off-Kurve zwischen Entschlossenheit und Warten schmerzvolle Züge annehmen konnte.

Der Gebrauch einer Vergangenheitsform deutet bereits an, dass große Veränderungen stattgefunden haben, die sich in (gefühlten) Brandblasen auf meinen Fingern niederschlagen. Das Wasser ist seit heute – in Folge von zwei ganztägigen, als dringend notwendig angekündigten Wassersperrungen – heiß. Sehr heiß. Brühend heiß. Es ist nun sogar zwingend notwendig, dem roten Heißwasser viel blaues Kaltwasser zuzumischen, dass ein lebensbejahendes Lila entsteht.

Für die Waschmaschine wird sich an der Wasserzufuhr nichts ändern, denn sie verkonsumiert weiterhin Kaltwasser. Allerdings geht sie nun komplett in den Zuständigkeitsbereich des Ingenieurs über. Wer Waschmaschinen entwickeln will, sollte wenigstens regelmäßig eine gebrauchen. Und anschließend die Wäsche bügeln oder eine selbstbügelnde Waschmaschine entwickeln.

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8 Kommentare

1

Bellerophon
12. Februar 2008, 20:47 #

Ich bin doch kein Dienstmädchen! Wenn es nach mir ginge, könnten Sie sich das Bügeln sparen.

2

Spontiv
12. Februar 2008, 21:38 #

Oh. Der Herr Bellerophon braucht keine saubere Wäsche! Sehr pflegeleicht der Herr!

3

Bellerophon
12. Februar 2008, 23:21 #

Nein, nein, nein! Ich brauche saubere aber nicht unbedingt gebügelte Wäsche! So viel Präzision muss sein!

4

Francois
13. Februar 2008, 09:01 #

Hallo
vielleicht bin ich auch zu verwöhnt, aber ich kann schlecht ungebügelte Sachen anziehen, ich bügele sogar Jeans :))

5

The Exit
13. Februar 2008, 11:30 #

Ich wusste es! Kaum gibt man das Stichwort “Bügeln”, so tobt der Kulturkampf zwischen Sockenbüglern und Bügelverweigerern.

Fakt ist: ungebügelte Hemden gehen gar nicht und T-Shirts schadet der Kontakt mit dem heißen Eisen auch nicht.

Nach meinen Brandblasen fragt niemand.

6

Spontiv
13. Februar 2008, 12:34 #

Sie sollen ja nicht Ihre Hände bügeln. Tsss.

7

Manniac
13. Februar 2008, 13:04 #

Ich habe bisher beim Wohnungsanmieten immer darauf geachtet, eine zu erwischen, in der das Wasser tatsächlich kochend aus der Leitung kommt. Das hat ja praktische Gründe, weil man sich dadurch das lästige Aufkochen beim Suppemachen erspart, bzw. abkürzt. Du hast als – aus meiner Sicht – jetzt einen grandiosen Vorteil :)

Übrigens hast Du so oder so einen Vorteil: Bei mir unterwegs komme ich nur ein oder zwei mal in der Woche an einer warmen Dusche vorbei. Das ist vielleicht frustrierend..

8

The Exit
13. Februar 2008, 13:10 #

Herr Manniac, ich weiß, dass es in anderen Weltgegenden schon ein Vorteil ist, fließend Wasser zu verfügen. Auch wird es in Berlins neuem Knast in den Zellen nur Kaltwasser geben.

Außerdem möchte ich doch an die Barock-Gedenktage im Wedding erinnern! Damals gab es auch über zwei Tage lang kein Wasser im Sozialpalast.

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