Bisher war im Sozialpalast der Unterschied zwischen Kaltwasser und Warmwasser vor allem dadurch gekennzeichnet, dass das Kaltwasser sortenrein aus der Leitung floss, wenn man den Hahn mit dem blauen Punkt aufdrehte und bei Betätigung des rotgepunkteten Drehknopfes ergoss sich Warmwasser aus dem Rohr. Damit erübrigten sich im Hausgebrauch die Unterschiede, wenn man davon absieht, dass Warmwasser mit einem x-fachen des Kaltwasserpreises zu Buche schlägt, aber meist mit nicht messbarer Temperaturdifferenz zum Kaltwasser geliefert wurde, was vor allem im Winter ziemlich kalt war.
Gewisse Vorgänge der menschlichen Hygiene, wie beispielsweise eine morgendliche Dusche, erforderten entweder viel Entschlossenheit oder längeres Wartevermögen, bis viel teures, aber kaltes Nass, aus der Leitung entwichen ist und lauwarmes Nass (zum Heißwasserpreis) nachfloss. Nachbarn, die früher aufstehen und somit zur Erwärmung des Rohrleitungsnetzes beitragen könnten, haben wir nicht, sodass vor allem bei einem frühen Start in den Tag die Trade-Off-Kurve zwischen Entschlossenheit und Warten schmerzvolle Züge annehmen konnte.
Der Gebrauch einer Vergangenheitsform deutet bereits an, dass große Veränderungen stattgefunden haben, die sich in (gefühlten) Brandblasen auf meinen Fingern niederschlagen. Das Wasser ist seit heute – in Folge von zwei ganztägigen, als dringend notwendig angekündigten Wassersperrungen – heiß. Sehr heiß. Brühend heiß. Es ist nun sogar zwingend notwendig, dem roten Heißwasser viel blaues Kaltwasser zuzumischen, dass ein lebensbejahendes Lila entsteht.
Für die Waschmaschine wird sich an der Wasserzufuhr nichts ändern, denn sie verkonsumiert weiterhin Kaltwasser. Allerdings geht sie nun komplett in den Zuständigkeitsbereich des Ingenieurs über. Wer Waschmaschinen entwickeln will, sollte wenigstens regelmäßig eine gebrauchen. Und anschließend die Wäsche bügeln oder eine selbstbügelnde Waschmaschine entwickeln.

