Das sonntägliche Frühstück im Sozialpalast. Herr Exit streicht die sündhaft teure Konfitürenneuheit aus dem Kühlregal auf den Bagel. Während sich der intensive Erdbeergeschmack – natürlicher und vollmundiger als bei gewöhnlichen Aufstricherzeugnissen – zur Freude des Frühstückenden breit macht, nimmt Edita im Radio Anlauf zu einer der schönsten Koloraturarien der Opernliteratur. Ich unterbreche meine frühmorgendlichen Ausführungen am Frühstückstisch, lege den Bagel zur Seite und lausche. Und lausche. Und lausche. Ich bin völlig ergriffen von der überwältigenden Schönheit.
Worum es ginge, will der kleine Ingenieur wissen. Es ist die Arie Casta Diva aus Bellinis Norma. Norma bittet die Mondgöttin um inneren Frieden nachdem sie die Misteln gebrochen hat.
Der Mond wurde vergangene Nacht auch von Frau Creezy angebetet. Im Wedding gab es Wolken.
Erfreut entlocke ich YouTube einige Videos, die dank des italienischen Internets flugs im Hause sind. Zum Beispiel eine Aufnahme mit Maria Callas, die gerade auch eine Ehrenrunde in meinem CD-Abspielgerät dreht.
Es ist ein Jammer, dass die Aufnahmegeräte zu dieser Zeit einfach miserabel waren. Diese Stimme! Diese Emotionen. Das muss einem ja nahe gehen. Ohne jegliche Anstrengung perlen die Töne, als sei es das natürlichste auf der Welt. Dabei ist das extremst höllisch schwer. Bravo, Maria!
Wer lieber auf eine zeitgenössischere Interpretation setzt, kann sich beispielsweise Edita Gruberova anhören, die übrigens mit der Norma am 9.4.2008 in der Berliner Philharmonie auftreten wird.
Und falls sich jemand fragt, ob es einen Unterschied zwischen den Interpretationen gibt, dann kann der geneigte Leser auch hier reinhören:
Kälter und mit weniger Emotionen kann man die Arie fast nicht singen.
um eine ze


