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Historiker Gesucht

Von Exit in - 17. Oktober 2007, 16:23 11 Kommentare

Weilt unter meinen geschätzten Lesern ein Historiker, der sich mit den frühen Hochkulturen der Menschheit auseinander gesetzt hat? Im konkreten Fall würde mich interessieren, wann die Menschheit das Geld erfunden hat und wann das Kreditwesen entstanden ist.

Ich habe hier eine Quelle, die sagt, dass im Codex Hammurapi Regelungen zum Kredit im Land der Babylonier niedergeschrieben wurden. Das wäre dann um rund 1750 v. Chr. gewesen. Um diese Zeit gab es auch bereits Münzen, die 2000 v. Chr. in China erfunden wurden.

Aber die Indus-Kultur (2800 bis 1800 v. Chr.) soll auch schon fleissig gehandelt haben und somit könnte der Kredit und damit verbunden das Kreditrisiko eben älter sein.

Als älteste Hochkultur führt die Wikipedia die Sumerer auf, die ab 4000-3000 v. Chr. die mesopotamische Hochkultur beeinflusst haben sollen. Der WDR weiß, dass 4.500 v. Chr. in Mesopotamien bereits mit Silber als Geld gearbeitet wurde, allerdings dauerte es noch 3000 Jahre bis die Preisliste erfunden wurde. Wäre dort nach dem ersten Kredit der Menschheit zu suchen?

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11 Kommentare

1

Rag
17. Oktober 2007, 17:31 #

Kann es sein, dass Sie sich statt mit Bergpanoramen und Hirschen jetzt wieder mit Ihrer Doktorarbeit beschäftigen.

2

The Exit
17. Oktober 2007, 17:38 #

Das tu ich schon die ganze Woche. Die letzte Woche musste ich ein Seminar vorbereiten, von dem ich meinen Teil schon vorbereitet hatte und der Teil der Kollegin nach deren Krankheit ebenfalls an mich fiel. Davor war ja Urlaub.

Aber Herr Rag, können Sie für Abhilfe sorgen?

3

Lorelei
17. Oktober 2007, 22:30 #

Herr Exit! Unter Historikern dürfen Sie sich natürlich AUF GAR KEINEN FALL auf Quellen wie die Wikipedia und den WDR beziehen, wenn Sie auch nur annähernd ernst genommen werden wollen.
Ich wüßte da so ein paar Datenbanken, über die man mal nach dem einen oder anderen wissenschaftlichen Aufsatz zum Thema suchen könnte, aber mein externer Uni-Zugang lässt mich leider zur Zeit nicht rein. Muss ich erst einmal in Ordnung bringen.
Fürs erste:
Monetary History von Glyn Davies – oder vielleicht sollten Sie mal wieder nach Wien fahren?

4

The Exit
18. Oktober 2007, 07:50 #

Genau Frau Lorelei! Das ist das Problem. Die Wikipedia ist ja keine wissenschaftliche Quelle. Daher suche ich ja einen Historiker, eine Historikerin, die mir bei der Recherche von wiss. Quellen unterstützt und mir hilft, die Frage zu beantworten, wann und wie der Kredit entstanden ist, und ggf. auch wie es zur ersten Bank und dort vergebenen Krediten kam. Das soll ein Teil der Einleitung meiner Diss werden.

5

Lorelei
18. Oktober 2007, 12:12 #

Als Teil der Einleitung ist das dann ja ein eher überschaubares Rechercheproblem. Ein paar aktuelle Aufsätze sollten da als Quelle reichen. Es gibt sicher, gerade in den USA, einige Irre Spezialisten unter den Historikern, die sich mit exakt dieser Thematik wissenschaftlich beschäftigen.
Ich kann mich in den nächsten Tagen, wenn ich wieder in die Uni-Datenbanken komme, mal umsehen im Bereich von Monetary History und Numismatics.

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The Exit
18. Oktober 2007, 12:39 #

Frau Lorelei, das wäre mir eine große Hilfe und Erleichterung und ich bin Ihnen zum größten Dank verpflichtet. Wobei mich die Münzen eher weniger interessieren, als die Frage, wann der Kredit — also das Verleihen von Geld — aufkam.

7

Fischer
20. Oktober 2007, 00:53 #

Im Grunde kommt es drauf an, was man als Kredit definiert. Im Grunde basiert ja die gesamte menschliche Kultur auf einer zeitlichen Trennung zwischen Leistung und zu erwartender Gegenleistung.

In dem Sinne dürfte die Idee des Kredits – also zeitversetzte Rückzahlung erhaltener Güter – so alt wie der organisierte Tauschhandel sein; das ist ja nicht grad rocket science.

Von der Harappa-Kultur ist bekannt, dass sie Piktogramme im Warenverkehr verwendete (obwohl die Schrift noch nicht entschlüsselt ist und man nicht mal genau weiß, ob es sich um eine Schrift i.e.S. handelte), insofern werden sie derartige Instrumente ebenfalls gekannt haben.

Das Kreditwesen im modernen Sinne (d.h. als reguläre Institution im Zahlungsverkehr im Gegensatz zum personalisierten Kredit) begann ansatzweise im römischen Reich (Wechsel als reguläres Zahlungsmittel) und im größeren Maßstab später im italienischen Finanzwesen.

Einschränkung: Ich weiß nicht, wie das in China aussieht, aber soweit ich informiert bin, stammt das Papiergeld aus einer Art staatlichem Gutscheinwesen und nicht dem “Kredit” zwischen Privatleuten.

8

Torsten
23. Oktober 2007, 10:22 #

Der Historiker in mir befasst sich zwar nicht mit alten Hochkulturen, aber zumindest für die westliche Welt würde ich “A History of Credit and Power in the Western World” von den Herren MacDonald und Gastmann (2004) empfehlen. Die ersten Kapitel über die vormoderne Zeit scheinen durchaus Ihrer Fragestellung zuträglich.

9

The Exit
23. Oktober 2007, 10:30 #

Oh! Herr Torsten, vielen Dank für den Hinweis. Eine rasche Vorschau bei Google Books sagt, dass das Buch sehr interessant für meine Forschungen sind. Ich werde es gleich per Subito bestellen. Vielen herzlichen Dank.

Herr Fischer, auch Ihnen darf ich für die äußerst fruchtbaren Anmerkungen danken.

10

Torsten
23. Oktober 2007, 18:12 #

Freut mich, dass ich interdisziplinär helfen konnte – wünsche viel Erfolg beim Dissertieren!

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Lorelei
23. Oktober 2007, 20:17 #

Erste Recherche-Ergebnisse:
Richard Tilly: “Geld und Kredit in der Wirtschaftsgeschichte.” Grundzüge der Modernen
Wirtschaftsgeschichte, Band 4. Stuttgart: Franz Steiner, 2003. – scheint sich zwar vorzugsweise mit dem 19. und 20. Jahrhundert zu beschäftigen, aber vielleicht in der Einleitung?

Über JSTOR habe ich verschiedene Zeitschriften ausgemacht, in denen sich interessante Artikel finden könnten:

- Journal of Economic History

- Journal of the Economic and Social History of the Orient

- Economic History Review

Das schöne an JSTOR ist, daß man sich die Artikel direkt als pdf runterladen kann; das blöde an JSTOR ist allerdings, daß man nur als Angehöriger einer wissenschaftlichen Institution, die mit JSTOR kooperiert, Zugang hat.
Zudem: Über die direkte Suche mit verschiedenen Schlagwörtern habe ich Tausende Ergebnisse gefunden, und durch die obigen Zeitschriften zu browsen, dürfte auch etwas dauern … aber ich mach’ mal weiter.

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