Angenommen, lieber Leser, du wüsstest, dass die geschätzte Freundin, die in den Hirschservietten- liebenden Haushalt gezogen ist, nun ein Haus bewohnt, das den letzten authentischen Beweis der Kriegswirren an der Oder darstellt? Was würdest du ihr schenken?
Was tätest du, wenn dir bekannt wäre, dass in der Fassade noch die Einschusslöcher zu sehen sind, und vor dem Haus der Bürgersteig gesperrt ist, um den Flaneur vor herabfallenden Fassadenelementen zu schützen. So fehlt beispielsweise am Fenster der geschätzten Freundin ordentlich Fassade. Denk daran, du möchtest ein Geschenk überbringen, das die Einheit zwischen der an der Fassade stehen gebliebenen Zeit mit dem Interieur nicht zerstört, sondern betont!
Wenn du, lieber Leser, nun ein Geschenk machen möchtest, mit dem die beschenkte Freundin Gelegenheit hätte, ihrem Stress, ihrer Aufregung und ihrem Trubel im Büro durch meditative Tätigkeit zu entfliehen, was würdest du schenken?

Nun, nach langem, mühsamen und ergiebigen Nachdenken kam mir die Idee, mich im Handarbeitsfachgeschäft in Charlottenburg umzusehen.
Es sollte etwas meditatives sein. Mit Entspannungscharakter beim Handarbeiten. Nur, ein Mandala verbot sich, wegen der Einheit von äußerer und innerer Zeit. So fiel mein Entscheidung auf ein Gobelin-Stickkunstwerk.

Die Freude der Beschenkten, die noch kurz vor der Schenkung die letzten Ablaufpläne für die Pressekonferenz diktierte, dabei aber bereits hibbelig auf ihrem Stuhl hin- und herrutschte, war ihr überwältigend.

Frau Indica, das hab ich doch gern gemacht. Sie müssen nur mit dem Sticken beginnen, dann wird Ihnen die Schönheit des Gobelins ersichtlich werden. Und dann wird auch der entspannende Effekt einsetzen.

Nur nicht übermütig werden und empört das Geschenk eintauschen wollen! Ich gehe davon aus, dass wir bis zum Ende des Jahres die feierliche Fertigstellung und Aufhängung in Ihrer Wohnung feiern können.


