Zu einer anständigen Blogvertretung bei Herrn The Exit gehört auch Eisenbahncontent, nicht wahr? Gut. So soll es denn sein. Während dieser Tage bei uns die Lokjungs wieder den Aufstand proben, streiken nämlich woanders ganze Bahnen.
Was Herrn Exit nicht weiter stören wird, denn der reist ja neuerdings bedenklich wenig ökologisch. Das tat ich neulich auch und zwar Richtung Spanien, genauer in Richtung 17. Bundesland, also Mallorca. Auf Mallorca wurde erst im April diesen Jahres die allererste U-Bahn der Insel in Betrieb genommen. Die Strecke Palma-UIB verläuft meist unterirdisch auf einer 8,5 km langen Strecke von der Hauptstadt Palma, von der Plaça Espanya zum Universitätsgelände der Universitat de les Illes Balears, das in Richtung Sollér nicht weit vor Valdemossa liegt. Von der knapp 14 minütigen Fahrzeit der insgesamt über 9 Stationen führenden Bahnverbindung verlaufen die letzten ca. 1,5 km oberirdisch ab der vorletzten Station Son Sardina bis zur Endhaltestelle. Die erste Bahn verlässt Palma morgens ab 06:15 Uhr im 13-Minuten-Takt, die letzte Rückfahrt erfolgt ab dem Universitätsgelände um 22:50 Uhr.
Offiziell in Betrieb genommen wurde die Metro de Palma de Mallorca am 25. April 2007 nach knapp 3 Jahren Bauzeit und 115 Millionen Euro Baukosten. Offiziell außer Betrieb genommen wurde die Metro am 23. September 2007 nach nicht ganzen fünf Monaten und immer noch 115 Millionen Euro Baukosten.
Bis Ende September sollten die Studenten, Mallorquiner und Gäste die Bahn kostenlos nutzen dürfen, um sich an das neue Verkehrsmittel gewöhnen und sich dafür begeistern zu können. In Fachkreisen wurde das schon als heiße Testphase mit Kundenbetrieb bezeichnet. Weil sich dann keiner beschweren kann, wenn’s mal nicht so klappt. Hat nicht so geklappt. Hat geregnet. Und nicht mal dolle.
Was also macht die neue Metro de Palma de Mallorca seit vorletzter Woche? Sie streikt! Aber komplett. Wegen Baumängel in der Erprobungsphase. El Metro de Palma clausurado heißt das auf der amtlichen Seite auf der die Pressebilder mit den fettesten Wasserzeichen versehen sind, die ich jemals äh überhaupt auf einer Firmenseite gesehen habe. Da hatte es ein bisschen geregnet auf Malle im August und September (und in einer Woche habe ich das – für unsere Verhältnisse – bisschen Regen auch mitbekommen) und prompt stand sie unter Wasser. Die gute hochmoderne Huschebahn. «Es ist unmöglich, die durch die Überschwemmungen stark beschädigte Metro wieder vollständig zu reparieren», sagt Verkehrsminister Gabriel Vicens. «Die Infrastruktur der Metro muss komplett erneuert werden und man rechne damit, dass die neue Metro nicht vor Ende des Jahres wieder funktionieren werde.»
Jetzt beiße ich mir natürlich sonst wohin, weil es meine Zeitplanung trotz dringendem Wunsch bei meinem Aufenthalt die Metro zu testen (für Herrn Exit selbstverständlich auch ausgiebigst zu fotodokumentieren) eine Testfahrt nicht zugelassen hatte. Ist es doch immerhin die Metro mit der kürzesten Inbetriebnahme (fünf Monate) aller Zeiten. Aber keine Sorge, dass ist so Usus auf der Insel, da wird jedes Projekt immer zwei Mal gebaut. Einmal unter der amtierenden Regierung und das zweite Mal unter der folgenden neuen Regierung. In Spanien regiert auch nur das wirkliche Leben.


