Gestern, als sich die Sonne langsam über den Baumwipfeln der höchsten natürlichen Erhebung der Berliner Innenstadt, eine eiszeitliche Grundmoräne, senkte, als bereits der rote Wein meinen Gaumen schmeichelte, wo kurz zuvor eingewrappter Thunfisch, Ziegenkäse und Zwiebelkuchen für geschmackliche Eruptionen sorgten, als sich das Licht romantisch-kitschig auf 20 Tonnen grün gepinselten Stahl legte, erläuterte eine anwesende Dame Haushaltstipps zur Erwärmung von kühlschrankkalten Gurken im Backofen. Kurz vor Abschluss der Erwärmung wechselte die Geschichtenerzählerin die Gurke gegen eine Möhre aus, die – die Vorfreude der Gurken-Möhrenerhitzerin zerstörend – von der Mitbewohnerin gegessen wurde.
Später, als der Mond durch die Wolken nach unten absackte und sich in den denkmalausleuchtenden Strahlern die Fledermäuse sonnten, traten unerwartet grammatikalische Probleme auf. So war der illustren Runde nicht gegenwärtig, was transitive von reflexiven Verben unterschied, eine per Telefon hinzuzitierte Literaturwissenschaftlerin verwies ebenso, wie der anwesende Literaturvergleichswissenschaftler auf die bestehende Wissenslücke – ein unhaltbarer Zustand in der Wissensgesellschaft.
In der Nacht verstarb Frau Jacob.
Heute, bei der Zubereitung des Salates zur Mittagsstunde war mir die Gurke, frisch dem Kühlschrank entnommen, doch etwas zu kalt. Kaltes Gemüse ist an den Fingern unbehaglich. Kurzes Abwaschen mit lauwarmem Wasser säuberte die Gurke, brachte sie auf eine angenehme Temperatur, bevor sie klein geschnitten mit Baslamico beträufelt per Gabel meinem Mund zugeführt wurde. Ein Austausch zur Möhre fand nicht statt.


